
Ein Stück Asphaltstraße liegt auf einer passend konstruierten Heizvorrichtung. Das tischartige Gestell ist mit Heizspirale, Heiz-schalter und digitaler Temperaturanzeige ausgestattet. Ein Fax mit der Tagestemperatur von São Paulo hängt aus, in einem beigelegten Ordner sind die Meßdaten vorangegangener Tage abgeheftet. Über den Zeitraum von zehn Tagen ließ sich Stefan Mayer aus dem Wetteramt Hamburg die in São Paulo gemessenen Temperaturwerte nach München faxen und heizte dann das Asphaltstück auf diese Temperatur auf. Mit naturwissenschaftlicher Methodik löste er aus einem komplexen Ding die Einzeleigenschaft „Temperatur“ heraus und verarbeitete sie.
Die vorhandenen Meßdaten provozieren ein Vergleichen und Nachprüfen der Temperatur durch Befühlen des Asphaltstücks.
Die simultane Übereinstimmung seiner Temperatur mit der des Bezugsortes São Paulo kann jedoch nur gedanklich nachvollzogen werden.
In Verbindung mit seinem Titel wird das Asphaltstück zum Instrument subjektiver Imagination: die Vorstellung von São Paulo (und den dort herrschenden Temperaturverhältnissen) beginnt die objektive Anschaulichkeit der installierten Gegenstände zu überlagern.
Nicole Frenzel, 1991